In Pia Treibers Werk „Kohle verschleudern“ finden wir einen Gedanken, der in vielfacher Weise interpretierbar ist. Treiber schleudert Steinkohle, das ist ein Faktum. Sie tut dies, indem sie die Kohle mit dem Golfschläger anvisiert, ausholt, schlägt. Ziel ist es die Markierung, eine schwarze Null an der gegenüberliegenden Wand zu treffen. Dabei entstehen, ausgehend von ihrer Position, strahlenförmige Kreise, deren Kohlespur im starken Kontrast zur weißen Umgebung und der - selbst in weiß gekleideten - Künstlerin steht und eine Kohlezeichnung entsteht. Indem sie dieser so klaren Tätigkeit unermüdlich nachgeht, eröffnet sie Fragen beim Betrachter. „Kohle Verschleudern“, steht diese Performance womöglich als Sinnbild einer dekadenten, übersättigten Gesellschaft, wie der Umgang mit einem Golfeisen nahelegt, das doch allzu oft mit dem Sport der Gutbetuchten gleichgesetzt wird und als Statussymbol gilt? Oder geht es hier um die reale Kohle, also den Verbrauch von Ressourcen, der in den letzten 150 Jahren so rasant anstieg wie noch nie in der Menschheitsgeschichte? Gleichwohl, welche Kohle gemeint ist, der Betrachter erahnt, dass die Performance mehr ist als reiner Selbstzweck. Die Performance von Pia Treiber fand in der Handwerkergasse des UNESCO-Weltkulturerbe Völklinger Hütte (ehemaliges Eisenwerk) statt. Die Künstlerin beschäftigte sich darin mit der politischen Entscheidungsfindung in Krisensituationen. Entscheidungen, die einen ökologischen Wandel gegebenenfalls beschleunigen oder bremsen können und nahm konkret Bezug auf die bundespolitische Entscheidung, zwei Steinkohlekraftwerke, die zu Anteilen den Pfalzwerken gehören, im Oktober 2022 aus der Notreserve wieder ans Netz zu bringen und bis mindestens März 2024 am Netz zu lassen. Dabei dienen die Kohlespuren auf dem Papier als Metapher für die schleichenden Veränderungen und Zerstörung unserer Umwelt, die anfangs unbemerkt bleibt, sich jedoch sukzessiv ausbreitet. Text von Denise Kamm